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1997 |
Calenberger Zeitung, 27. 10. 1997 Zu
Hause in Leveste |
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"Ich bin die Vereinsmutter des Dorfes
gewesen", sagt Christel Conrad. Nahezu 19 Jahre hat die gelernte
Hauswirtschafterin mit ihrem Mann Kurt das Vereinshaus des TV Jahn
Leveste geführt. Sie unterstützte nicht nur den Sportverein,
sondern über Jahrzehnte hinweg auch tatkräftig den Kindergarten,
die Feuerwehr und die anderen örtlichen Gemeinschaften, richtete
Feste mit aus, organisierte und sorgte für die Bewirtung. Die
temperament- und humorvolle Levesterin sammelte überdies alles,
was sie an Zeitungsberichten, Mitteilungen und Dokumenten über
ihre Ortschaft bekommen konnte. In einer ganzen Reihe dicker Ordner
und Alben spiegelt sich die Geschichte Levestes aus der Nachkriegszeit
wider. Nach dem Tod der Mutter überredeten Karl Isemann und Otto Haller Christel Conrad. das 1971 eingeweihte Vereinsheim zu übernehmen. Gemeinsam mit ihrem Mann sorgte sie nicht nur dafür, daß die vielen sportlichen Veranstaltungen, Diskotheken, Feste, Sitzungen und Kurse reibungslos verliefen und im Haus gebührend gefeiert werden konnten. Auch um die Sportanlage kümmerte sich das Ehepaar immer wieder. Als Kurt Conrad nach schwerer Krankheit starb, führte seine Frau die Arbeit fort, nahm sich aber vor, mit 65 Jahren aufzuhören und hielt diesen Vorsatz auch ein. Die von ihr gestiftete Vereinsfahne erinnert den TV Jahn weiterhin an die aufopferungsvolle Arbeit der Con-rads zum Wohl der Mitglieder und des ganzen Dorfes. Gäste kamen häufig auf
die Sportanlage. Gern denkt die ehemalige Sporthauswirtin an eine
bedeutsame Boxveranstaltung mit Teilnehmern aus Hamburg und Gelsenkirchen
zurück, für die ein Zelt errichtet worden war. Sie erinnert
sich an ein großes Manöver, für das die Levester
Sportanlage den Ausgangspunkt bildete, und an Besuche befreundeter
Polen oder Gruppen anderer Nationalitäten. Unvergeßlich bleiben Christel Conrad aber auch die ungebetenen Besuche. 33 Einbrüche in das Sporthaus hat es in ihrer „Amtszeit" gegeben - und immer ist sie gleich nach Bekanntwerden der Tat mutig zum Sportplatz geeilt. Einmal hatten die Einbrecher 158 Bierflaschen an die Hauptwand des Heimes geknallt und die Pokale zertrümmert. |
Zu den guten Erinnerungen gehört
die aktive Zeit in der Levester Handballmannschaft. Sogar in der
Deisterauswahl spielte die junge Sportlerin, die schon 1946 erstmals
den Ball warf, damals mit. In den Ordnern wurden das politische
Geschehen im Ort, das kirchliche Leben, die Vereinsarbeit und alle
besonderen Ereignisse festgehalten. Zu den traurigsten Dokumentationen
gehören Berichte über einen Unfall, bei dem 1967 ein Lastwagen
einen Bus mit Kindern erfaßte und aufschlitzte. Ein neunjähriger
Junge starb. Christel Conrad legt auch heute
noch nicht ihre Hände in den Schoß. Ihre Hauptbeschäftigung
ist die Handarbeit. Sie sitzt am Spinnrad, strickt, häkelt,
stickt und webt. Selbsthergestellte Teppiche, Wandbilder,Decken
und Stuhlbezüge schmücken die gemütliche Wohnung.
Darüber hinaus erfordert der Garten mit Laube und Teich ihren
Einsatz. Die Kontaktpflege mit den Gartennachbarn und ihren vielen
Bekannten in Leveste aber hat in Christel Conrads Leben einen besonders
großen Stellenwert. NORBERT PAATSCH |