Fellverfärbungen, Haarausfall durch 
Allergien beim Hund 
 


 
Fellverfärbungen beim Hund, meistens verbunden mit anschließendem Haarausfall, ist ein Symptom, bei dem Hundehalter und manchmal auch Tierärzte vor einem Rätsel stehen. Die häufigste Ursache ist eine Allergie - und damit beginnt das Drama der genauen Diagnose.  
Da mein Hund mit einer solchen Allergie zu kämpfen hatte, habe ich versucht (natürlich nur zusätzlich zum Tierarzt-Besuch), mich sachkundig zu machen. Bei meinen Nachforschungen im Netz bin ich allerdings in erster Linie auf Hilferufe von betroffenen Hundebesitzern gestoßen, was mich jetzt veranlaßt hat, meinen Stand der Erkenntnisse zusammenzuschreiben.  
Hauptquelle meines derzeitigen Wissens ist eine Untersuchung, die die medizinische Fakultät der University of North-Carolina 1996 durchgeführt hat (siehe Links am Ende dieser Seite). Der nachfolgende Text soll eine allgemeinverständliche Kurzfassung dieser Studie sein. 

Eine andere Theorie, die sehr viel für sich hat, führt das Dalmatiner Bronze Syndrom auf Probleme im Stoffwechsel zurück. Siehe hierzu den Abschnitt Ernährung! 

Anmerkung: Ich bin kein Tierarzt! Nur ein einfacher Hundeliebhaber.  



Eines Vorweg: die hier beschriebenen Symptome haben landläufig auch einen irreführenden Namen: das 'Dalmatiner Bronze Syndrom' oder 'Dal Crud'.  
Irreführend deswegen, weil der Schluß nahe liegt, daß nur Dalmatiner diese Art von Allergien haben, was m.E. schlichtweg falsch ist. Wir haben dem Dalmatiner zu verdanken, daß dieses Syndrom erkannt und erforscht wurde, weil er die Symptome wegen seines weißen Felles und seiner kurzen Haare sofort und sehr deutlich zeigt. Im Prinzip kann jeder Hund befallen werden (und auch Katzen!), bei dunkelhaarigen und vor allem langhaarigen Hunden bemerkt man die Symptome allerdings erst sehr spät. Genau genommen ist der Name 'Dalmatiner Bronze Syndrom' nur ein Synonym für ein Sammelsurium von Allergie-Erscheinungen. 
Der Einfachheit halber bleibe ich hier jedoch bei der Bezeichnung 'Dalmatiner Bronze Syndrom', abgekürzt DBS.  

Dalmatiner Bronze Syndrom
Das typische Bild eines Bronze-Syndroms im frühen Stadium:
Fellverfärbungen vor allem am Kopf (und ähnlich am Rücken).
Deutlich wird hier auch, warum das DBS nur bei Hunden mit
weißem/hellem Fell frühzeitig erkannt wird - auf den dunklen
Fell-Partien ist optisch nichts zu erkennen.
  

Was passiert eigentlich beim DBS, wie sieht es aus?  

Am Anfang entstehen auf der Haut unseres Vierbeiners kleine Bläschen, die beim Kurzhaar aussehen wie zahlreiche Insektenstiche. Diese Bläschen sind Entzündungen des Haarbalges. Beim Langhaar wird dieses Frühzeichen leider oft nicht sichtbar, manchmal nur beim Streicheln zu fühlen. 
Durch diese Entzündung werden nun Bakterien aktiv, die völlig normal zur Bakterienwelt unseres Hundes gehören (es sind dies die sog. staphylococcus intermedius). Diese führen nun wiederum zu einer Entzündung im Umfeld des Haarbalges. Da die befallenen Haarwurzeln nun in der Regel das Wachstum einstellen, fallen die Haare an diesen Stellen aus (med. Alpezie). 
Gleichzeitig verfärben sich gesunde Haare, weil das Serum, das durch die Entzündung ausgeschieden wird, sogenannte Porphyrine enthält, die beim weißen Fell zu einer bronze-artigen Einfärbung führen (beim farbigen Hund verändert sich die Farbe entsprechend, beim Langhaar zunächst am Haaransatz). Solche Hunde sehen dann aus, als hätten sie schmutzige Stellen im Fell (daher auch der englische Name Crud = Schmutzschicht). Diese Verfärbungen sind übrigens dauerhaft, verschwinden also erst mit der natürlichen Fellerneuerung. Das heißt, daß vor allem der weiße Hund immer noch 'befallen' aussieht, obwohl die Behandlung erfolgreich war
Im fortgeschrittenen Stadium sieht unser Hund dann aus, als hätte er den Mottenfraß. 
Nicht nur beim Dalmatiner sieht man diese Symptome vorwiegend auf der Kopfoberseite und entlang des Rückens
Diese genannten Entzündungen können übrigens  jucken, müssen es aber nicht.  
 

dal crud
So wie eine harmlose Verschmutzung kann es 
anfänglich aussehen - aber es ist ein ernstes Signal


Wodurch entsteht DBS ?  

Die amerikanische Studie nennt drei Varianten als Auslöser von DBS: 

Allergien  
Stress  
Klima  
 

1. Allergien  

Es ist kein Privileg der menschlichen Rasse, immer häufiger von Allergien heimgesucht zu werden. Die Tiere machen hier keine Ausnahme und unter den Hunden scheint der Dalmatiner ein kleiner Spitzenreiter zu sein. 
Dabein muß zunächst zwischen drei grundlegenden Arten von Allergien unterschieden werden: 
a. die Allergie, die durch Inhalieren ausgelöst wird. Als Erreger kommen hier Pollen, Schimmelpilze, Hausstaub u.v.m. in Frage. 
b. andere Erreger können Bestandteile von Futtermitteln sein. Hier wird offensichtlich immer zuerst die Ursache vermutet. Es ist allerdings wissenschaftlich bewiesen, daß nur 10 Prozent aller Allergien duch Nahrung ausgelöst wird. 
c. und schließlich kann die Allergie auch noch äußerlich ausgelöst werden, z. B. durch den Speichel von Flöhen, oder den Kontakt mit unverträglichen Stoffen/Chemikalien (Heimwerker: aufgepaßt!). 

2. Stress 

Im Grunde genommen sind Stressreaktionen nichts anderes als eine weitere Form von Allergien. Unter Stress produziert unser Hund vermehrt bestimmte Hormone, die an sich dazu da sind, genau diesen Stress bewältigen zu helfen. Allerdings haben sie auch manchmal die Eigenschaft, die Abwehrkräfte der Haut zu reduzieren. 
Ist nun bereits eine Entzündung vorhanden, ermöglichen es diese Hormone bestimmten Bakterien, die eigentlich harmlos sind, sich zu entfalten und negativ aktiv zu werden. 

Zu Stress können bei Hunden, je nach Veranlagung, die unterschiedlichsten Situationen führen. Besitzer- oder auch nur Ortswechsel sind typische Auslöser. Aber auch schon Veränderungen im Umfeld, Verlassen von gewohnten Routinen, neue Familienmitglieder u.v.m. führen bei manchen sensiblen Tieren zu solchen Reaktionen. 

3. Klima  

Vor allem die nicht juckende Form des DBS kann häufig auf klimatische Veränderungen zurückgeführt werden. Zu feuchte oder zu trockene Luft, selbst wenn das nicht mit einer Reise oder einem Ortswechsel zu tun hat, können genauso zu der oben beschriebenen Pustel-Bildung führen, die dann der Ausgangspunkt für den weiteren Verlauf ist. 
In die gleiche Kategorie gehört übrigens falsche Körperpflege. Zu häufiges Baden führt zum Austrocknen der Haut, falsche Shampoos verstopfen die Poren u.s.w. 

Behandlung  

Was tun, wenn der Hund nun solche oder ähnliche Symptome zeigt? 
Zuerst einmal: unbedingt zum Tierarzt. Erstens ist es nicht sicher, daß es sich um das DBS handelt, zweitens darf man das ganze nicht unterschätzen, und drittens braucht der Hund Medikamente, die man in der Regel nur vom oder über den Tierarzt bekommt. 

Bei einer Haarbalgentzündung ist der Einsatz von Antibiotika unvermeidlich. Es muß allerdings ein Antibiotika sein, das gegen den erwähnten Staphylokokkus Intermedius wirksam ist. Die nötigen Bestandteile eines solchen Antibiotikas finden Sie auch in der Original-Studie, aber Ihr Tierarzt kennt sich da wohl aus. 

Bei der Behandlung mit Antibiotika ist allerdings auch zu beachten, daß sich eine  Wirkung, sprich Rückgang der Entzündung, erst nach 7-10 Tagen zeigt. Ist andersherum nach dieser Zeit keine Besserung in Sicht, sollte ein anderes Antibiotika eingesetzt werden. 
Wichtig: das Ansprechen der Antibiotika merken Sie nur am Rückgang der Entzündung. Die Fellverfärbung, vor allem sichtbar bei hellfarbigen Tieren, bleibt vorerst vorhanden! 

Örtliche Behandlung der befallenen Haut ist möglich. Z.B. können spezielle Shampoos wie Canoderm  oder Peroxyderm eingesetzt werden. Als Salbe z.B. Neodermovet . 
Aber auch hierzu bitte zuerst den Tierarzt konsultieren. 

Viel mehr ist als behandelnde Maßnahme an sich nicht nötig. Sollten sich damit die Symptome nicht beseitigen lassen oder sie kommen wieder, dann lassen Sie für Ihren Hund einen Allergietest machen (kostet angeblich etwa zwischen 100.- und 150.-). Des weiteren kann auf Seborrhö (übermäßige Entwicklung des Fettmantels der Oberhaut), Hypersensitivität auf Staphylokokken, Staphylodermie oder, was in seltenen Fällen sein kann, auf Immunschwäche untersucht werden. 

Vorbeugung 

Zunächst ein Hinweis an unsere Züchter: Allergien sind erblich. Besonders bei Allergien durch Flohbisse und durch Inhalationen sind sich die Experten einig, daß sie in der Erbfolge weitergegeben werden. Etwas Unsicherheit besteht bei der Vererbung von Nahrungsmittelallergien. Der verantwortungsvolle Züchter wird jedoch jeden allergischen Hund aus seiner Zucht ausschließen.  
Sind Sie Besitzer eines allergischen Hundes, melden Sie dies bitte dem Züchter und teilen Sie die Abstammung auch den einschlägigen Clubs/Vereinen und vor allem den Internet-Infoquellen Ihrer Rasse mit. 

Was kann man im Einzelfall konkret an vorbeugenden Maßnahmen ergreifen? 

Zunächst sollten Sie nicht mit Futtersorten experimentieren. Bleiben Sie bei dem Futter, das dem Hund bisher geschmeckt und mit dem er auch schon mehrere Wochen ohne Allergie überstanden hat. Dies gilt auch und insbesondere für die Leckerchen.  
Sollten in Ihrem Haushalt auch noch andere Tiere leben, dann achten Sie darauf, daß Ihr Hund nicht an deren Futter gehen kann. Vor allem Katzenfutter scheint für manchen Hund der Himmel auf Erden zu sein - und kann, in Allergiefällen,  zur Hölle werden. 

Verzichten Sie auf kosmetische Shampoos (dazugehören auch viele sog. Hunde-Shampoos). Wenn Sie Ihren Hund schon shampoonieren müssen, dann mit einem medizinischen Shampoo. 
Und baden Sie den Hund nicht zu oft - nur dann, wenn es wirklich nötig ist. 
Halten Sie ihn aber unbedingt frei von Flöhen. 

Dann empfehlen Experten zur Vorbeugung Nahrungsmittelzusätze, und zwar am besten fetthaltige Säuren in Verbindung mit Antihistaminika. Gerade die Kombination steigert die Wirkung von fetthaltigen Säuren (empfohlen sind beim letzteren Zusammensetzungen aus pflanzlichen Ölen und Fisch-Ölen). 
Fetthaltige Säuren sind z.B. in Dermacaps . Dazu und auch zu Antihistaminika (die klassischerweise bei Hustensäften eingesetzt werden)  fragen Sie bitte ebenfalls Ihren Tierarzt. 
Sollte hier (wie auch bei anderen Themen) jemand bereits Erfahrungen gemacht haben (positiv oder negativ),  bitte um Nachricht.

 
 
Links (oder rechts?) 
Übersetzung der US-Studie 
Original-US-Studie (engl.) zum DBS 
 
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