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Haut- und Fellstörungen
beim Dalmatiner
von
Susanne A. Hughes, DVM
Studien-Gruppe für Haut- & Allergie-Störungen
Dalmatiner Club von America
Original im Internet unter http://www.cet.com/~bholland/dca/derm.htm
ohne Gewähr ins Deutsche übersetzt von P. Kühlechner
Anmerkung: wenn im Text von "wir" die Rede
ist, dann sind dort in der Regel die Züchter gemeint, die im Dalmatian
Club of America (DCA), zusammengeschlossen sind. Ist die Rede von "ich",
so bezieht sich das Susanne A. Hughes, DVM (Doctor of Veterinaty Medicin),
Leiterin der Studiengruppe.
Anmerkungen in Kursiv-Schrift stehen nicht
im Original, sondern nur in der Übersetzung.
Übersetzung:
Auf allgemeinen Wunsch war das erste Thema, mit dem sich die Studiengruppe
des DCA befaßt hat, jenes allzuverbreitete und frustrierende Syndrom,
das von Kennern als "Dal Crud" (Anm.: Dalmatiner Schmutzschicht)
bezeichnet wird.
Ich werde dieses Thema speziell deshalb abhandeln, da es sich auf Hunde
bezieht, die besonders für ihr Verhalten und ihre Disziplin bekannt
gemacht werden.
Ein typisches Scenario könnte das folgende sein:
Ihr Liebling hat ein tadelloses Fell, treibt sich zu Hause im Hinterhof
herum und schwimmt im trüben Gartenteich. Er toleriert auch ein oder
zwei Flöhe. Am Donnerstag wird er für die Ausstellung am
Wochenende gebürstet und shamponiert.
Am Samstag erscheinen dann kleine Pusteln, gewöhnlich auf der
Kopfoberseite und/oder entlang dem Rücken.
Zunächst vernachlässigt, breiten sich diese Hubbel aus und
werden z.T. juckend.
Ein beachtlicher Anteil dieser Veränderungen, müssen interessanterweise
gar nicht jucken, sie breiten sich aber weiter aus.
Jede dieser kleinen Hubbel ist genaugenommen ein entzündeter Drüsenbalg
des Fellhaares, der ein wenig Serum absondert, was man möglicherweise
auch nur daran feststellen kann, wenn er in Form eines Schorfes austrocknet.
Innerhalb weniger Tage kann man an der Stelle des Hubbels Haarverlust
feststellen. Manchmal sieht das Fell aus wie von Motten zerfressen.
Zusätzlich nehmen die weißen Haare an der Stelle der früheren
Hubbel eine pink-bronzene Farbe an, und Juckreiz kann auftreten.
Was ist die Ursache (Etiologie) dieser Hautstörung? Wie behandelt
man sie? Und noch wichtiger, wie kann man ihr vorbeugen? Ist es das, was
man das "Dalmatiner Brozing-Syndrom" nennt?
Gibt es das "Dalmatiner Brozing-Syndrom" als diagnostische Einheit?
Die Antwort auf die meisten dieser Fragen sind relativ eindeutig. Lasst
uns die Themen der Reihe nach angehen und die Frage nach der Ursache bis
zuletzt aufheben.
Die Pusteln sind tatsächlich insektenstichartige Reaktionen, die
an jedem einzelnen Drüsenbalg des Hundehaares auftreten.
Wenn die Entzündung dieser Follikel eintritt, beobachtet man eine
Sekundär-Infektion (oberflächliche Pyodermie, Anm.: eitrige
Entzündung) durch Staphylococcus Intermedius, der zur normalen
Bakterienwelt der Hundehaut gehört.
Nebenprodukt dieser Bakterienwelt kann ein Jucken sein, der den ursprünglich
Juckreiz noch verstärkt.
Haarausfall (Alopecia) ist das Ergebnis, wenn die Follikel das Wachstum
des Haares einstellen. Verbleibende Haare werden durch Pigmente,
die Porphyrine genannt werden und im Serum des Entzündungsausfluß
enthalten sind, eingefärbt. Das letztendliche und anhaltende Ergebnis
ist das "bronzene" Aussehen des Felles. Diese verfärbten Haare sind
dauerhaft fleckig und man kann wenig tun, um ein so befallenes Fell wieder
weiß zu bekommen.
Natürlich gibt es diesen Bronze-Effekt genauso oft in farbigen
Fellen, dort fällt er nur nicht so auf.
Die eigentliche, zentrale Frage dieses Syndroms bedarf jedoch noch der
Klärung: wieso kommt es überhaupt zu diesen stichähnlichen
Reaktionen.
Da gibt es mehrere Antworten:
1) Allergie. Die große Mehrheit der Dalmatiner mit diesen
Anzeichen sind Allergiker.
Viele wissenschaftliche Statistiken führen unsere geliebte Rasse
als eine der verbreitetsten, allergischen Hunderassen, untermauert durch
wiederholte positive Hauttests mit ausgewählten Substanzen, die als
Allergene bekannt sind.
Diese Allergene können in Form von Pollenflug, Schimmelpilze etc.
inhaliert werden; eingenommen in Form von Futter-Allergenen;
injiziert durch Floh-Speichel, oder lediglich
durch Haut-Kontakt mit örtlichen Reizstoffen.
2.) Stress. Fügen wir der Allergie den physiologischen Stress
hinzu, der mit Reisen, Aufregung, Veränderung in Routinen und den
Diäten (all diese Plagen!) verbunden ist.
Biologisch gesehen, ist Stress verbunden mit einem Anstieg in der Produktion
von steroiden Hormonen, Glucocorticoide (?) genannt.
Normalerweise ermöglichen Glucocorticoide den Hunden, die besonderen
Anforderungen von Stressituatuationen zu bewältigen, aber sie haben
manchmal auch die unglückliche Eigenschaft,
die Abwehr-Funktion der Hundehaut zu schwächen. Wenn bereits eine
Entzündung vorhanden ist, erlauben Glucocorticoide einigen Bakterien,
die normalerweise unter Kontrolle sind, sich zu
entfalten.
3) Feuchtigkeit und Hitze. Veterinärdermatologen betrachten
Veränderungen in Feuchtigkeit und Temperatur ebenso als wichtigen
Faktor für den Beginn dieser pustelartigen Reaktionen.
Diese Veränderungen können mit der Hautumgebung zusammenhängen,
wie z.B.
Klimatische Unterschiede zwischen den Aufenthaltsorten;
Austrocknen der Haut;
Verstopfung der Poren durch bestimmte Pflegeprodukte.
Es wird darauf hingewiesen, daß die nicht juckende Form dieses
Syndroms eher unmittelbar mit diesen Umfeldeinflüssen zu tun hat als
mit Allergien.
Vorbeugung
Veterinärdermatologen sind überzeugt, daß Floh- und
Inhalations-Allergien erblich sind.
Mit Sicherheit ist also die beste Vorbeugung, solche Tiere von der
Zucht auszuschließen.
Einige gewissenhafte Züchter haben große Erfolge erzielt,
indem sie Zuchtlinien aufgebaut haben mit dauerhaft guten Fellen, und zwar
einfach, indem die Zucht mit sichtbar betroffenen Tieren,
die chronische Fellprobleme zeigten, ausgeschlossen wurde.
Auf der anderen Seite gibt es weniger Übereinstimmung bezüglich
der Vererbbarkeit von Futter-Allergien.
Als Wächter der Dalmatiner-Rasse müssen wir unsere Züchtungen
in Bezug auf den allgemeinen guten Gesundheitsszustand sorgfältig
planen ...
Für diejenigen von uns, die das Fell-Nirvana in unseren Zucht-Programmen
noch nicht ganz erreicht haben: ein bißchen Weitblick und Sorgfalt
kann ein drohendes Fell-Disaster verhindern.
Ein kurzer Blick auf die Situation, und wir können die Probleme
aufzählen und dann Lösungen formulieren:
1. Wir haben einen mehr oder weniger allergischen Hund
2. Wir pflegen den Hund mit weißmachenden Shampoos, das der
Haut und dem Fell natürliche schützende Öle entzieht
3. Wir gehen auf Reisen und setzen ihn ungewohnten Allergenen und
möglichen Flöhen aus
4. Änderungen in der täglichen Routine produziert physiologischen
Stress und damit ein reduziertes Abwehrsystem
5. Leckerlies/Anlocker verändern die normale Diät
und beeinflussen negativ diejenigen Hunde, bei denen Futterallergie eine
Rolle spielt.
Die folgenden Vorsorgemaßnahmen haben sich allgemein bewährt
und zeigen keine langfristigen Kontraindikationen oder negative Nebenerscheinungen.
In den letzten Jahren haben Veterinärdermatologen Zusätze
mit fetthaltige Säuren verschrieben (Derm Caps, EFA Caps, OM Caps,
etc.), wenn der Hund als allergisch galt. Fetthaltige Säuren
agieren als Immun-Regler, Entzündungshemmer und sind besonders
wichtig als Hilfestellung für den Körper, um die Haut als Barriere
gegen Infektionserreger intakt zu halten.
Eine andere positive Nebenwirkung ist ein optimierter Haarwuchs und
-glanz.
Obwohl über die ideale Zusammensetzung von fetthaltigen Säuren
immer wieder debattiert wird, sind sich die meisten Dermatologen einig,
daß diese Ergänzungen eine Kombination aus pflanzlichen Ölen
und Fisch-Ölen enthalten sollten.
Neuere Daten zeigen, daß diese Zusätze in der zwei- bis
dreifachen Dosis der Herstellerempfehlung verabreicht werden sollen (allerdings
reagieren einige Hunde dann mit Durchfall).
Ein weiterer wichtiger Hinweis: die Wirkung von fetthaltigen Säure-Zusätzen
tritt erst nach 4-8 Wochen ein und sollte Teil einer langfristigen Ernährungsmaßnahme
sein.
Ich empfehle diese Zusätze für die gesamte Ausstellungszeit
des Hundes, und in manchen Fällen lebenslänglich.
Fetthaltige Säuren mögen das zeitweise Erscheinen von "Crud"
nicht vollständig verhindern, aber sie erlauben der Haut, unter widrigen
Umständen optimal zu funktionieren.
Fetthaltige Säuren haben erst kürzlich bei allergischen Hunden
ein Zusammenwirken mit Antihistaminikum gezeigt, indem sie helfen, die
erste Reaktion der angreifenden Allergene abzublocken.
In mehreren Studien zeigte sich, daß Hunde, die sowohl Zugaben
mit fetthaltigen Säuren als auch Antihistaminikum erhalten haben,
seltener und weniger heftige Anfälle von Juckreiz zeigten als jene
Hunde, die nur eine der beiden Stoffe erhielten.
Zusätzlich zeigte sich, daß alle Hunde, die laufend Antihistaminikum
erhielten, besser auf die Behandlung ansprachen als jene, denen nur bei
auftretendem Kratzen verabreicht wurde.
Für Züchter ist dies einen Verhinderungs-Standard, der von
Caroll H. Weiss ( Dalmatiner-Kennerin und Professor für Dermatologie,
Universität Miami), mir selbst, anderen Ärzten und
tiermedizinischen Dermatologen unterstützt wird.
Beginnen Sie mehrere Tage vor einer absehbaren (stressbedingten)
Allergie-Gefahr (z.B. Ausstellung) mit einer vorbeugenden Behandlung mit
Antihistaminikum und setzen Sie diese fort bis zu Ihrer Rückkehr.
Entsprechend der Empfehlung von Prof. Weiss verschreibe ich gewöhnlich
Chlorpheniramine Maleate (Chlor-Trimeton), 12 mg, 2 bis 3 mal täglich.
Dies ist ein preiswertes Antihistaminikum,
ohne Rezept verfügbar (Anm.: auch in Deutschland ?) , das
zu weniger Schläfrigkeit führt als viele andere Antihistaminika.
(Bei Hunden, die nach der Verabreichung von Antihistaminika etwas
apathisch werden, warten sie mit der Dosis bis nach der Austellung;
die Wirkung ist auch nur kurz, so daß dieser Effekt am nächsten
Morgen verschwunden sein müßte)
Die individuelle Reaktion auf spezifische Antihistaminika ist unterschiedlich.
Verzweifeln Sie also nicht, wenn der erste Versuch nicht erfolgreich ist.
Andere möglicherweise erfolgreiche
Mittel enthalten Diphenhydramine (Benadryl), Clemastine (Tavist) und
Hydroxyzine (Atarax).
Der Rest der Vorbeugung ist gesunder Menschenverstand:
-
Halten Sie den Dalmatiner frei von Flöhen;
-
Benutzen Sie hypoallergenisches Shampoo, falls nötig abwechslend
mit antibakteriellen Shampoos.
-
Baden Sie Ihren Hund nicht zu oft.
-
Vermeiden Sie Leckereien, die für allergische Reaktionen in Frage
kommen. Diese Nahrung reagiert bei jedem Hund anders und verlangt möglicherweise
mehrere Versuche.
-
Wenn möglich verwenden sie Kekse mit Proteinen aus einer Art,
so wie 'All-Turkey-Hot-Dogs', im Gegensatz zu 'Rollover' (Anm.: offenbar
speziell amerikanische Hundeleckerein).
Denken Sie daran, daß bisher keine Studien veröffentlicht wurden,
die große Gruppen von allergischen Dalamtinern untersucht haben.
Eher zufällige Aussagen von Dermatologen passen aber zu veröffentlichten
Statistiken über allergische Hunde: rund 10 % haben Nahrungsallergien
und 90 % Inhalationsallergien.
Behandlung
Wenn Ihr Hund zu 'pusteln' beginnt, trotz aller Ihrer Anstrengungen
und entgegen Ihrer ganzen vorbeugenden Maßnahmen, dann ist aggressive
Behandlung erforderlich, um etwas Fell für die nächsten Ausstellungsrunden
zu retten.
Örtliche Behandlung mit Benzol Peroxid (Oxydex, Pyoben) oder Chlorhexidin-Shampoo
(Chlorhexiderm, Nolvasan) reinigt die Haut und entfernt oberflächliche
Bakterien.
Unter diesen Umständen kann es erforderlich sein, wöchentlich
zu baden, gefolgt von einer Spülung mit Creme aus hypoallergenischem
Hafermehl, um ein übermäßig starkes Austrocknen und einen
Rückgang der Abwehrkraft der Haut zu verhindern.
Im Falle von Haarbalgentzündung ist die systematische Verabreichung
von Antibiotica angesagt.
Unglücklicherweise benötigt die Haut eine Behandlung über
drei bis vier Wochen, auch in weniger schweren Fällen. Wenn die Therapie
mit Antibiotica nicht innerhalb von 7 bis 10 Tagen anspricht, ist zu überlegen,
ob ein anderes Antibiotica eingesetzt wird.
Das Antibiotica, das für die erste Behandlung ausgewählt
wird, sollte bekannt dafür sein, daß es gegen Staphylococcus
Intermedius wirksam ist.
Sowohl die Verschreibungen der Tierärzte als auch das Ansprechen
der Bakterien auf Antibiotica sind regional unterschiedlich, aber die passende
Wahl enthält: Oxacillin, Cephalexin, Ormetaprim-sulfas und in manchen
Fällen Amoxicillin mit Clavulanic Acid.
Es ist sehr wichtig, daß eine entsprechende Behandlung / Lebensweise
gewissenhaft folgt.
Für immer wiederkehrende Pyodermen (Anm.: Hauteiterungen?),
die nicht durch die obigen Maßnahmen unter Kontrolle gebracht werden
können, sollte Ihr Tierarzt weitere Unterssuchungen vornehmen, um
bestimmte Allergien aus- bzw. einzuschließen, hormonelle Störungen,
Seborrhöe, Hypersensitivität auf Staphylokokken, oder seltener,
Immunschwäche.
DAS "DALMATINER BRONZING SYNDROM"
Ich habe dieses "Syndrom" bereits weiter oben erwähnt, als ich
die Bronze-Färbung der weißen Haare durch Serumpigmente, genannt
Porphyrine, behandelt habe.
Der so gebronzte Dalmatiner hat einen breiten Streifen blaßrosa-bronzefarbenes
Fell entlang oben auf dem Rücken, oft bis auf den Kopf.
Eine nähere Untersuchung zeigte Flecken auf der Haut, die sich
auch in unterschiedlicher Stärke auf die Haare ausdehnen.
Frühere Berichte versuchten diese Flecken in Zusammenhang mit
anderen Gesundheitsproblemen der Dalmatiner in Verbindung zu bringen,
wie Urinary Urate Christals (Anm.: Nierensteine?),
Diät-Allergien, Protein Intoleranz, Demodecose und Sarcoptic Mange
(Anm: Räude?), und nannten die Sammlung dieser Störungen
das "Dalmatiner Bronze-Syndrom".
Dermatologen sind skeptisch, ob dies ein Syndrom ist, das definitiv
mit diesen Leiden zusammenhängt und ob dies ausschließlich bei
Dalmatinern auftritt. Die meisten glauben hingegen, daß es sich um
das natürliche Ergebnis der oben beschriebenen Haarbalgentzündung
handelt.
Klar ist, daß weißhaarige Rassen die Färbung am deutlichsten
sichtbar machen.
Unabhängig von der Spepsis der Dermatologenschaft, wird gerade
eine neue Studie an der Medizinischen Fakultät der Universität
North Carolina aufgesetzt, die das "Rot-Haar-Syndrom" vieler Hunderassen
untersuchen soll. Dies ist ein Syndrom, von dem mehr aus Europa als aus
den USA berichtet wird, aber viele Parallelen zu dem hier beschriebebenen
Dalmatiner Bronze-Syndrom aufweist.
(Anm: Die oben beschriebene Studie wurde 1996 gemacht, ich werde
versuchen herauszubekommen, was aus der neuen Studie wurde)
Forscher werden dabei die Haare mit Elektronen-Mikroskopen untersuchen.
Falls jemand an einem Beitrag in Form von Lieferung befallener Haare
leisten will, soll er bitte Kontakt aufnehmen mit
Susanne A. Hughes, DVM
snohill@prodigy.com
3013 Ridge Road
Durham, North Carolina 27705
Tel. (919) 489-1367
Fax (919) 489-5838
Ende der Übersetzung
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