Epilepsie beim Hund
 
Peter Kühlechner@dalmaweb
 
Dies ist der Versuch, einige allgemeinverständliche Informationen zu epileptischen Anfällen beim Hund zusammenzustellen. 
 
Sie sind auf keinen Fall ein Ersatz für den Besuch beim Tierarzt und dürfen auch nicht zu eigenmächtigen Experimenten führen, sondern sollen nur das Verständnis beim Hundehalter vertiefen. Diese Informationen sind nach bestem Wissen und Gewissen zusammengetragen worden aus Veröffentlichungen wissenschaftlicher Arbeiten. Sie werden auch verstehen, daß ich für den Inhalt keine Haftung übernehme.
 
 
 
Inhalt: 
 
I. Kategorieen der Epilepsie, Erscheinungsformen, Ursachen 
 
II. Vererbung von Epilepsie
 
III. Behandlung von Epilepsie 
 
 
 

 

I. Formen der Epilepsie 

Als Epilepsie bezeichnet man gemeinhin das wiederholte Vorkommen von Anfällen. Dabei ist es wichtig zu wissen, daß Anfälle aus unterschiedlichsten Gründen auftreten können. Die Experten haben deshalb die Epilepsie in zwei  große Kategorien eingeteilt, die leider mit unterschiedlichsten Namen belegt werden. 
 
Hilfe soll diese Tabelle geben: 

Kategorien der Epilepsie
 
gängige Bezeichnung:
Primäre Epilepsie
Sekundäre Epilepsie
andere Bezeichnungen:
  • Idiopathische E.
  • echte Epilepsie
  • Symptomatische E.
  • erworbene Epilepsie
englische Bezeichnungen:
  • primary epilepsy
  • true epilepsy
  • ideopathic epilepsy
  • secondary epilepsy
  • acquired epilepsy
  • symptomatic epilepsy
Hauptmerkmal:
  • verbreitete Form
  • genetisch bedingt
  • vererblich
Anfälle werden 
verursacht durch 
frühere oder 
vorhandene Krankheit
 
Genau genommen kann man nur die primäre Epilepsie wirklich als Epilepsie bezeichnen. Die sekundäre zeigt sich allerdings in ihren Symptomen kaum anders als die primäre. Trotzdem unterscheidet die Medizin noch in zwei Erscheinungsformen der Anfälle, die dem Tierarzt möglicherweise weiterhelfen bei der Diagnose der Ursache. 
 
Erscheinungsformen der Anfälle
(primäre und sekundäre Epilepsie)
 
Bezeichnung: genereller Anfall partieller Anfall
Beschreibung: Das gesamte Hirn des Hundes ist betroffen. 
Plötzliche Versteifung des ganzen Körpers, 
Verdrehen der Augen, 
wiederholte, rhythmische Krämpfe in den Exremitäten
Nur ein Teil des Hirnes ist betroffen. Unterschiedliche Erscheinungsformen, wie 
Zucken einzelner 
Gliedmaßen, einseitige 
Krämpfe, laufende Wiederholung bestimmter Bewegungen
Bewußtsein: in der Regel Bewußtseinsverlust in der Regel kein Bewußtseinsverlust
Post-Ictale-Phase: 
(nach dem Anfall)
Tier ist erschöpft, schwer oder gar nicht ansprechbar. Dauer abhängig von der Dauer des Anfalls keine post-ictale Phase, 
vielleicht leichte Verwirrung
 
Bei den schweren, generellen Anfällen hat der Hund kein Wahrnehmung, er kann sich auch später nicht daran erinnern. Diese Tatsache ist natürlich nicht beweisbar,  aus der Human-Medizin hat man jedoch eindeutige Erkenntnisse, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch auf das Tier übertragen werden können. 
Also keine unnötige Sorge: der Hund empfindet keine Schmerzen! 

Ursachen der Epilepsie

Für eine erfolgreiche Behandlung (und die ist möglich!) ist es unerläßlich, die genaue Ursache für die Anfälle herauszufinden. 
Die primäre Epilepsie ist, wie gesagt, genetisch bedingt und wurde durch Vererbung erworben. Die genauen Hintergründe sind immer noch nicht vollständig erforscht, vermutet wird ein genetischer Defekt im Bereich der Neuronalen Membranen bzw. der Neurotransmitter. Eine definitive Diagnose der primären Epilepsie ist in den seltensten Fällen möglich 
Um so wichtiger ist es deshalb, daß alle Möglichkeiten zur Untersuchung bzgl. einer sekundären Epilepsie ausgeschöpft werden, besonders dann, wenn bei den Vorfahren und Verwandten des Tieres kein Verdacht auf eine vererbte Anlage gegeben ist. 
Mit anderen Worten und genau genommen: 
eine primäre Epilepsie kann nur dann sicher diagnostiziert werden, wenn eine sekundäre ausgeschlossen worden ist. 
Wenn allerdings im Wurf oder sonstiger Verwandtschaft Epilepsie verbreitet ist, können Sie sich kostspielige Untersuchungen in Richtung einer sekundären Epilepsie ruhig sparen. Sie kann zwar auch dann nicht 100-prozentig ausgeschlossen werden, aber die Wahrscheinlichkeit einer primären Epilepsie ist einfach zu hoch. 
Nicht vergessen werden darf hier die Frage des Alters. Ein Tier, das noch kein Jahr alt ist und bereits Anfälle hat, hat höchstwahrscheinlich keine primäre Epilepsie, da diese in der Regel nur im Alter zwischen 1 und 5 Jahren auftritt. 

Was ist nun eine sekundäre Epilepsie?  
Wie der Name schon andeutet, haben diese Anfälle eine indirekte Ursache. Man spricht hier von versteckten (underlayed) Krankheiten, die zu Anfällen führen wie bei der echten Epilepsie. 

Aus der nachfolgende Tabelle können Sie die häufigsten Ursachen der sekundären Art entnehmen: 
 
 

Ursachen der Epilepsie und Altersgruppen
Ursache
Altersgruppe in Jahren
 
 < 1
1-5
> 5
       
Primäre Epilepsie      
Sekundäre Epilepsie      
Extracranial (aßerhalb des Schädels)      
     Metabolisch (Stoffwechsel):      
                      Hypoglykämie (Blutzuckermangel)      
                      Hypokalzämie(Kalziummangel)      
                      Encephalopathia hepatitica      
                      Hyperlipoproteinämie      
    Toxisch (Vergiftungen)      
Intracranial (innerhalb des Schädels)      
     Entwickelt:      
                      Hydrocephalus (Wasserkopf)      
                      Lissencephaly      
                      Stoffwechsel Erkrankungen      
     Geschwulste      
     Ansteckungen      
                      Tollwut      
                      Staupe      
                      Rickettsien      
                      Protozoale Erkrankung (einzellig ...)      
                      Pilzerkrankungen      
                      G(r)anulomatous meningoencephalitis      
     Trauma      
     Vascular (Blutgefäße)      
  Quelle: Managing Epileptic Dogs, Dr. T.B. William, University of Tennessee

An anderen Stellen (z.B. Todd D.L. Woods) werden auch noch genannt: Hyponatremia (Untermenge von Natrium im Blut), Hypomagnesiämie (Untermenge von Magnesium) und Hyperkalämie (Übermenge an Kalium) sowie Dehydrierung. 
 


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Originaltext: Managing Epileptic Dogs, T.B. William
Originaltext: Todd D.L. Wood: Epilepsy in Dogs
Übersetzung des Textes von Todd D.L. Wood ins Deutsche
 
 
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