Fortsetzung
Epilepsie beim Hund
Vererbung von Epilepsie
Unter dem Kapitel Kategorien der Epilepsie
haben wir von zwei großen Arten der Epilepsie gelesen: Primäre
und sekundäre Epilepsie.
Die primäre Epilepsie entsteht ausschließlich durch Vererbung,
die sekundäre wird zwar erworben, wobei die Ursachen aber vererbt
werden können, was dann einen ähnlichen Effekt hat.
Vererbung geht genau genommen immer den gleichen Weg, ob bei positiven
oder bei negativen Eigenschaften. Gerade in der Hundezucht wird ein solcher
Weg der Vererbung immer wieder gerne eingesetzt, um so z.B. Rasseeigenheiten
zu erhalten, zu verstärken oder zu korrigieren.
Leider geschieht dies nun auch unkontrolliert, was natürlich bei
negativen Erscheinungen nicht gerade erwünscht ist.
Ich will hier versuchen, das Thema möglichst einfach und für
jedermann verständlich zu halten.Wollen Sie sich tiefer informieren,
lesen Sie den Artikel von Dr. Todd Wood über Epilepsy
in Dogs, der sich dort ausgiebig mit dem Thema Vererbung von Epilepsie
beschäftigt. Eine deutsche Übersetzung
(ca 80 %) finden Sie hier auf den Dalmaweb-Seiten.
Grundsätzlich werden drei Arten der Vererbung unterschieden:
|
Die defekten Gene sind:
|
| dominant |
einfach rezessiv |
polygenetisch rezessiv |
| In einem der beiden Elterntiere ist ein solch dominantes Gen vorhanden
und wird an den Wurf weitergegeben. |
beide Elternteile haben die gleiche Veranlagung, also gleichartige
Gene, dieses "Paar" wird an den Wurf weitergegeben. |
beide Elternteile haben für sich unterschiedliche Gene, die einzeln
keine Wirkung haben, aber in der Kombination die Krankheit vererben |
Befall:
rund 50% des Wurfes sind befallen, aber nur bei einem Teil davon kommt
die Epilepsie zum Ausbruch
|
Befall:
75 % des Wurfes sind befallen, ca. 25 % haben Epilepsie, 50 % sind
nur Träger, 25 % sind ohne Befall |
Befall:
30 - 40 % des Wurfes ist befallen, aber nur bei einem Teil kommt die
Epilepsie zum Ausbruch |
Quelle: Todd Wood: Epilepsy in Dogs
Alle drei Arten sind aus mehreren Gründen fatal.
Zunächst kann man es den auslösenden Tieren nicht ansehen,
ob sie das Gen in sich haben. Sie können nur Träger des Defektes
sein, ohne selbst jemals einen Anfall zu haben (oder erst Jahre nach dem
Deckakt).
Das gilt für alle drei Kategorien.
Der nächste fatale Umstand ist die Auswirkung auf den Wurf. Die
Tiere, bei denen Epilepsie sichtbar wird, sind zu identifizieren - aber
erst wenn sie mindestens ein Jahr alt sind. Problematischer ist
es mit dem Rest des Wurfes: welche Tiere "nur" Träger des defekten
Gens (und damit potentielle Weitervererber) sind, läßt sich
nicht feststellen.
In allen Fällen ist das sicherste, die Welpen aus diesem Wurf
auf keinen Fall zur Zucht zu verwenden. Ähnliches gilt auch für
die Eltern.
Man kann natürlich die Wahrscheinlichkeit, woher der Defekt kommt,
eingrenzen.
Hat z.B. ein Muttertier bereits mehrere gesunde Würfe hinter sich,
und treten bei einem neuen Deckrüden plötzlich Epilepsien im
Wurf auf, kann man weiterforschen. Sind in der Linie des Rüden schon
Epilepsiefälle aufgetreten, so ist die Wahrscheinlichkeit, daß
der Rüde ein dominantes Gen trägt, groß - aber nicht sicher
(es könnte ja noch ein polygenetischer Fall sein). Mit der Hündin
könnte man also in einem solchen Fall die Weiterzucht riskieren.
Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es aber nicht. So bleibt es wohl
eine Sache des moralischen Ermessens, in welchem Fall mit welchen Tieren
weitergezüchtet wird. Sicher ist nur eins: nur ein kompletter Ausschluß
von Eltern und Nachkommen aus der Zucht verhindert eine Verbreitung.
Behandlung der Epilepsie
Epilepsie kann medikamentös behandelt werden. Krampfhindernde Medizin
ist vielfach erprobt, und Ihr Tierarzt kennt sich hier bestens aus.
Um Misverständnissen vorzubeugen: Die Grundlage der primären
Epilepsie kann nicht beseitigt werden, aber die Symptome können
meistens und deutlich gelindert werden.
Aber ich will um die Frage, behandeln oder nicht (sprich: einschläfern
lassen), nicht zu schnell hinweg gehen.
Erstens ist Epilepsie nicht gleich Epilepsie. Es gibt starke und weniger
starke Ausprägungen. Aber egal um welche Intensität es sich handelt,
denken Sie immer daran, daß das Tier keinen Schmerz spürt. Der
Mensch ist es in erster Linie, der mit der Krankheit bzw. seiner Erscheinungsform
Probleme hat.
Ich möchte an dieser Stelle den Epilepsie-Experten Dr. Wood zitieren:
"Meiner Meinung nach werden voreilige Entscheidungen zum Einschläfern
epileptischer Hunde zuvorderst von Menschen getroffen, die sich davor
fürchten, daß ihr Tier einen Anfall hat oder die fälschlicher
Weise annehmen, daß das Tier während und nach der Attacke
schrecklich leidet. Während eines Anfalls sind die Tiere nicht in
der Lage, Schmerzen oder Angst wahrzunehmen, zumindest erinneren sie sich
nicht daran. Dies basiert auf Erkenntnissen bei der Epilepsie des Menschen,
und ist - obwohl nicht völlig beweisbar - eine verläßliche
Extrapolation aus der Human-Medizin. Der Anfall ist fast immer für
den Betrachter wesentlich traumatischer als für das Tier selbst.
Das Bemühen, das Tier vor Verletzungen zu schützen
(ins Wasser fallen, gegen irgend etwas zu laufen ...) ist alles,
um was sich ein Dabeistehender kümmern sollte - nicht darum,
daß das Tier während des Anfalls leiden könnte.
In Bezug auf die Lebensqualität muß noch ein anderer
Mythos zerstört werden, nämlich daß epileptische
Tiere unglücklich und nicht in der Lage sind, ein zufriedenes
Leben zu führen. Viele Besitzer berichten von einer
andauernden Veränderung im Temperament nach dem ersten Anfall, und
einige berichten, daß der Hund anscheinend nicht mehr so glücklich
ist, seit er krampfhemmende Medikamente bekommt. Trotzdem ist es völlig
normal, daß diese Tiere ein langes und erfülltes Leben haben
- mit gelegentlichen oder seltenen Anfällen. Und es scheint mir unmoralisch,
den voreiligen Schluß zu ziehen, daß man sich um diese Tiere
nicht liebevoll kümmern kann und ihnen nicht erlaubt, friedlich und
in der Umgebung ihrer Familie ihr Leben zu verbringen. " Ende
des Zitats.
Also nicht aufgeben.
Zur Behandlung konkret. Wie gesagt die Medikamentation erhalten Sie
von Ihrem Tierarzt. Eines müssen Sie aber unbedingt selbst sicherstellen:
die konsequente Einhaltung der verordneten Dosis. Ihr Tierazt
wird von Zeit zu Zeit die Wirkung überprüfen und die Dosis anpassen.
Einer der häufigsten Fehler, die von Hundehaltern in diesem Fall gemacht
wird, ist der, daß sie die Dosis unterschreiten (z.B. weil sie von
den Nebenwirkungen abgeschreckt werden) anstatt der Steigerung der Dosis,
wie sie der Tierarzt verordnet hat, bedingungslos zu folgen.
Und warten sie nicht zu lange: spätestens beim zweiten Anfall
sollte mit der Behandlung begonnen werden - je früher, desto größer
sind die Erfolgschancen.
Der etwas ruhigstellende Effekt (Sedativum) der Medikamente läßt
meist nach ein paar Wochen nach, und die anderen Nebenwirkungen mögen
sich schlimm anhören - aber, was ist denn schlimmer: permanente Steigerung
der epileptischen Intensität oder kontrollierte Nebenwirkungen?
Zum Abschluß nochmal: achten Sie mit darauf, daß die
Möglichkeiten einer sekundären Epilepsie ausgeschlossen, d.h.
untersucht worden sind. Sie sind zwar relativ in der Unterzahl, aber
es nützt Ihrem Hund wenig, wenn er krampfhindernde Medikamente bekommt,
in Wirklichkeit aber eine Korrektur im Stoffwechsel angebracht (und
ausreichend) wäre.
Wenn Ihr Tierarzt von Anfang an und ohne weitere Nachfrage von einer
primären, vererbten Epilepsie ausgeht - wechseln Sie den Tierarzt
(die Damen und Herrn Doktoren mögen mir verzeihen!)
Weitere Information finden Sie bei:
Dr. Thomas B. William: Managing
Epeleptic Dogs (englisch)
oder bei
Die Kleintierpraxis
oder mehrere verwandte Themen und weitere Links (in Englisch) beim DCA
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