Der
Löwe von Jemgum
von Peter Kühlechner
Material: Gerd Kronsweide, Jemgum
und Fam. Gautzsch, Egestorf
Die Tochter des Bildhauers Sondershausen
erzählte mir nebenbei, dass ihr Vater noch einen zweiten Löwen
geschaffen hat, der in Ostfriesland auf einem Denkmal ruht.
Der Ort heißt Jemgum im Landkreis
Leer/Ostfriesland. Ich konnte den Ortschronisten, Herrn Gerd Kronsweide,
ausfindig machen, der mir sporadisch Unterlagen über das Jemgumer
Denkmal schickte.
Demnach lag der Fleckenvertretung von Jemgum im Jahr 1925 ein Entwurf
für ein Kriegerdenkmal des Bildhauers Sondershausen aus Egestorf
am Deister vor.
Dieser Entwurf wurde realisiert, die Einweihung fand am 2. Oktober
1926 statt.
Ähnlich wie beim Levester Ehrenmal wurde der damalige Stein
im Jahre 1959 um zwei weitere Steine für die Gefallenen des
2. Weltkrieges ergänzt. Im Jahre 1981 wurde das gesamte Ehrenmal
auf den Platz vor dem Jemgumer Rathaus verlegt und dort neu eingeweiht.
Der Sockel, auf dem der Löwe ruht, ist deutlich niedriger als
der Levester, wodurch der Löwe massiver und wuchtiger wirkt.
Der Stein in der Mitte wurde offensichtlich von einem früheren
Denkmal wiederverwendet, da auf der Rückseite noch deutlich
eine Inschrift '1870/71' zu lesen ist. Die Namen der Gefallenen
befinden sich beim Jemgumer Ehrenmal übrigens an den Seitenflächen,
und nicht wie in Leveste auf der Vorderfront.

Warum man im entfernten Ostfriesland gerade auf den Steinmetz am
Deister kam, lässt sich nur dadurch erklären, dass Karl
Sondershausen eng verbunden war mit einem Kriegskameraden (1.Weltkrieg)
namens Johann Lösing aus Eppinger Wehr (?) in der
Nähe von Jemgum. Beide überlebten den Krieg und hielten
wohl noch lange Kontakt.
Als dann die Frage eines Ehrenmals in Jemgum aufkam, wirkte die
alte Beziehung und Lösing stellte den Kontakt zu Sondershausen
her.
Ungeklärt ist bis dato, wie der schwere Löwe, der in der
Werkstatt in Egestorf gehauen wurde, nach Jemgum transportiert wurde.
Bild links:
Johann Lösing (links) und Karl Sondershausen
während des ersten Weltkrieges
Im Jahre 1926 wurde das Ehrenmal in Jemgum
errichtet.
Auf dem Bild sieht man, wie der Löwe, der in
Egestorf gehauen wurde, auf den Sockel mittels
eines Dreibeins gehieft wird.
Rechts unter dem rechten Balken sieht man
Karl Sondershausen.
Zum Vergleich noch einmal der Levester
Löwe:
Interessant ist übrigens die Theorie in Jemgum, dass die Vorlage
für das Sondershausen-Denkmal in Ostfriesland auf Karl Friedrich
Schinkel zurückzuführen ist.
Der berühmte Berliner Architekt hat im vorigen Jahrhundert
ein Scharnhorst-Grabmal entworfen, das von dem Bildhauer Prof. Tieck
realisiert wurde.
Der hier abgebildete Entwurf wurde von Schinkel 1824 angefertigt.
Das Monument selbst ist aus Marmor gehauen, der Löwe ist gegossen
und stammt von Prof. Rauch.
Das unten abgebildete Monument wurde 1834 auf dem Invalidenfriedhof
in Berlin errichtet, später wurden auch die Gebeine von General
Scharnhorst hierher überführt.
Eine Ähnlickkeit mit den Löwen von Jemgum und Leveste
ist sicherlich vorhanden. In meinen Augen kommt er aber eher dem
Löwen von Aspern nahe, der 1858 errichtet wurde:
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