Der Levester Löwe
von Peter Kühlechner
Bei der Suche nach den Ursprüngen
des Levester Löwen zog sich eine Spur von Barsinghausen nach
Wien, Luzern, über Paris, Rom, Atlanta und Griechenland bis
nach Ostfriesland. Hier die Geschichte der Nachforschungen und ihr
Ergebnis.
Genau genommen begann mein Interesse
am Levester Löwen zu einer Zeit, als ich noch gar nicht wusste,
dass es einen Ort namens Leveste gibt. |
Es
war Anfang der 60er Jahre, als ich in einem bayerischen Dorf namens
Grafrath von meinem Schulfreund Dietrich Freiherr von Gillhaußen
eine aus Holz geschnitzte Löwenfigur geschenkt bekam. Eine
sehr schöne, wenn auch etwas theatralische Handarbeit. |
Der
geschnitzte Löwe, vermutlich a.d.J. 1912 Auf der Vorderseite die Jahreszahl 1792 Aufn.: pk
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Auf dem Boden
der Figur ein ältlicher Aufkleber eines Antiquariats in Luzern
und das Datum 6.Mai 1912 . Was es mit ihm auf sich hatte, war nicht
festzustellen. Der Löwe stand all die Jahre im Bücherregal
und war dann auch beim Umzug 1989 nach Leveste dabei. Man kann sich
mein Erstaunen vorstellen, als ich dann hier in meiner neuen Heimat
am Ehrenmal in der Burgdorfer Straße genau 'meinen' Löwen
sah, nur um ein vielfaches größer, praktisch in Lebensgröße
und aus Stein gehauen. |
Bereits
damals vermutete ich, dass der Levester Löwe und meine kleine
Schnitzerei etwas gemeinsam hatten und ich fing an nachzuforschen.
Der erste Hinweis kam aus Leveste selbst. Gerda Sennholz hatte
in den 50er Jahren auf einer Urlaubsreise im schweizerischen Luzern
einen Löwen, der in eine Felsniesche gehauen und dem
Levester sehr ähnlich war, entdeckt - und eine Postkarte mitgebracht. |
Der Levester Löwe,
erbaut ca. 1920 Aufn.:
pk
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Tatsächlich:
die Ähnlichkeit ist frappierend. Nun machte sich
zum ersten Mal das Internet bezahlt. Nach einigen Stunden Recherche
und mit Hilfe des Luzerner Verkehrssvereins zeichnete sich folgendes
Bild ab: |
Der Löwe von
Luzern
Während der französischen
Revolution stand die Schweizergarde in den Diensten des französischen
Königshauses und verteidigte 1792 die Tulerien gegen den Sturm
der Revolutionstruppen, allerdings ohne Erfolg. Fast 800 schweizer
Soldaten liessen in diesem Kampf ihr Leben, 200 weitere, unter ihnen
der Kommandeur der Garde, Feldmarschall von Bachmann, wurden gefangen
genommen und durch die Guillotine hingerichtet. Der Zufall
wollte es, dass der Oberst Carl Pfyffer von Altishofen zu dieser
Zeit auf Urlaub in der Schweiz war. Als 1814 die französische
Herrschaft über die Schweiz zu Ende ging, initiierte er ein
Denkmal für seine gefallenen Kameraden und sammelt das nötige
Geld. |
Der Löwe
von Luzern, erbaut 1819-1821 Aufn.:von einer Luzerner Postkarte
Aufnahme aus den
50er Jahren der Levester Anlage Aufn.: Privat / unbekannt
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Der dänischer Bildhauer Thorvaldsen, der in Rom sein
Atelier aufgeschlagen hatte, entwarf 1818 ein Denkmal für
die Gefallenen, dessen Bau im August 1819 begonnen wurde. Der beauftragte
Bildhauer Eggenschwyler stürzte aber kurz nach Beginn der Arbeiten
vom Gerüst und verstarb nach wenigen Monaten an den Verletzungen.
1820 führte der Konstanzer Steinmetz Lukas Ahorn die Arbeiten
fort und am 10. August 1821 fand die feierliche Einweihung statt.
Wesentlich später, nämlich 1882, erwarb die Stadt
Luzern das Denkmal. Unter den eingravierten Namen findet
sich auch der des Feldmarschalls von Bachmann. Das Monument
ist insgesamt 6 Meter hoch und etwa 10 Meter breit, also eine sehr
imponierende Geschichte. So ist es durchaus glaubhaft, dass der
amerikanische Schriftsteller Mark Twain den Luzerner Löwen
zum "traurigsten und bewegendsten Stück Stein der Welt"
erhob.
Aber wie kam dieser Löwe nun
nach Leveste? |
Die Restaurierung bringt neue
Spur
Bei
der Restaurierung des Levester Ehrenmals 1997 kamen zwei Inschriften
zu Tage. Auf dem mittleren Stein, also auf jenem mit dem Löwen,
ist auf dem Sockel rechts unten "Sondershausen Egestorf"
eingemeisselt. Jedoch war im Telefonbuch von Egestorf
kein Sondershausen feststellbar. Auf dem rechten Stein
(für die Gefallenen des 2. Weltkrieges) war eine Gravur "Moritz
Gautzsch" zu finden.
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Einen Steinmetzbetrieb
dieses Namens gab es allerdings auch nicht, aber eine Familie Gautzsch
in Barsinghausen. Ich rufe auf Verdacht an und - Volltreffer.
Frau Gautzsch erzählt mir, dass es bis etwa 1993 einen
Steinmetzbetrieb Sondershausen und Gautzsch gegeben hat. Karl Sondershausen
war der Vater von Frau Gautzsch. Er wurde am 15.3.1895 als Sohn
des aus Thüringen nach Barsinghausen gekommenen Bildhauers
Ulrich Sondershausen geboren.
Bild links: Karl Sondershausen
aus Egestorf (Barsinghausen b. Hannover), geb. 1895 Schöpfer
des Levester und des Jemgumer Denkmals. |
Etwa 1920 erhielt Sondershausen
den Auftrag, für Leveste ein Ehrenmal für die Gefallenen
des 1. Weltkrieges zu bauen.
Nach der Herkunft des Vorbildes gefragt,
sagte mir Frau Gautzsch, dass der Löwe in der Familie Sondershausen
immer nur als der "Löwe von Aspern" bezeichnet wurde.
Und Aspern liegt irgendwo in Österreich. |
Einweihung des
Denkmals in Leveste, Datum noch unbekannt Aufn.: privat / unbekannt
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Der Löwe von
Aspern
Meine Verwirrung war komplett und
ich fing erneut an, nachzuforschen. Erst 1999 wurde ich so richtig
fündig - wieder über das Internet. Diesmal über eine
französische Seite, die sich mit der Geschichte Napoleons befasste.
Darin war auch die Rede von der ersten Niederlage Napoleons im Krieg
gegen Österreich, und zwar 1809 gegen Erzherzog Johann in einem
Dorf namens Aspern bei Wien. Das Dorf ist heute ein Stadtteil im
22. Bezirk Wiens. |
Der Löwe
von Aspern, erbaut 1858 |
Obwohl
die Österreicher damals die Schlacht gewannen, waren die Verluste
unter den Truppen und unter der Zivilbevölkerung sehr groß.
In den Jahren 1855-1858 schuf dann der Münchner Bildhauer
Anton Dominik Fernkorn den "Weinenden Löwen von Aspern"
in Erinnerung an die Opfer der Schlacht. Diese Statue steht heute
vor der Kirche in Aspern. Zunächst erinnert dieser
Löwe ebenfalls stark an den in Leveste. Bei genauerem hinschauen
allerdings stellt man einige starke Abweichungen fest:
die Haltung der Vorderpfote und des Schwanzes ist anders, die Mähne
ist stärker ausgeprägt und anstatt der abgebrochenen Lanze
im Rücken ragt beim Asperner Löwen eine Sperspitze aus
der linken Bruststeite.
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Fazit
Die Bildhauer hatten damals wie heute
Vorlagen für ihre Werke. Vergleicht man nun den Levester Löwen
mit jenen aus Aspern und Luzern, so kommt man eindeutig zu dem Schluss,
dass das Werk aus Luzern als Vorlage gedient hat. Einzige
Abweichung: anstelle von Schild und Schweizer Wappen hat Sondershausen
dem Levester Löwen die abgebrochene Lanze unter Kopf und Vorderpfoten
gelegt. Warum er den Löwen als den von Aspern bezeichnet hat,
ist wohl nicht mehr feststellbar.
Das Schweizer Wappen wurde von mir
ebenfalls entfernt, als ich die Form für den Levester Löwen,
dem Ehrenpreis für verdiente Levester, herstellte. |
Der Luzerner Löwe,
ca 6 x 10 Meter
Levester Löwe als Ehrenpreis für verdiente
Bürger (ca. 12 x 5 cm) |
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Siehe hierzu
auch: Warum
ein Löwe auf dem Denkmal ?
Die Restaurierung
des Ehrenmals 1997
Die Namen
auf dem Levester Denkmal 1. Weltkrieg
Die Namen
auf dem Levester Denkmal 2. Weltkrieg
Der Löwe
von Jemgum Der Löwe von Atlanta
Der Löwe
von Nauplia
Ich möchte
mich an dieser Stelle ganz herzlich für die Unterstützung
bei den bisherigen Nachforschungen bedanken bei:
Frau Sennholz, Leveste
Frau Gautzsch, Egestorf Herrn Kronsweide,
Jemgum Herr
Grichting, Verkehrsverein Luzern, Schweiz
und dem Erfinder des Internets.
Für weiterführende
Informationen und Bilder bin ich sehr dankbar. ©
1999 -2004 Peter
Kühlechner Osterstr. 3 30989
Leveste
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