Es waren zwei Faktoren,
die dem Denkmal in mehreren Jahrzehnten stark zugesetzt hatten.
Einmal ist es die schattige Lage unter den hohen Bäumen hinter
und neben dem Denkmal, darunter vor allem die riesige Eiche auf
der rechten Seite, die heute ein registriertes Naturdenkmal ist.
Durch die Ausrichtung nach Osten kommt nur in den Vormittagsstunden
Sonne an die Steine. Also ideale Gegegebenheiten für Moos und
Algen. Der zweite Umstand liegt in der Umwelt. Die Schadstoffe in
der Luft und vor allem im Regen haben tief sitzende Verschmutzungen
verursacht. |
Im Frühjahr 1997
machte Helene Häck, die Witwe eines Gefallenen des Zweiten
Weltkrieges, den Ortsrat darauf aufmerksam, dass man die Namen auf
den beiden Seitensteinen kaum noch entziffern kann. 
Ich habe dann zunächst einmal
die beiden Seitensteine genauer betrachtet. Die eingemeißelten
Namen waren zum Teil von Algen und Moos zugewachsen, die Farbe,
mit der die Vertiefungen ausgemalt waren, war abgeblättert
und größtenteils nicht mehr vorhanden.
Das Eichenlaub oben auf den beiden
Steinen war stark mit einem trockenen, spröden Moos verwuchert. |
Zunächst kam mir
die Idee, die Steine einfach mit einem Hochdruckreiniger zu säubern.
Da ich die Gewalt von solchen Geräten kenne, befürchtete
ich jedoch, dass hiermit noch mehr Schaden angerichtet wird. Der
Thüster Kalkstein war stellenweise so weich, dass man mit dem
Fingernagel Rillen einritzen konnte. Wenn überhaupt, dann
musste also eine schonendere Methode gefunden werden. Ich testete
auf der Rückseite, ob sich mit Sandpapier etwas ausrichten
lässt - und es ging. |
Beim mittleren Stein für die Gefallenen des
Ersten Weltkrieges war die Situation etwas anders. Der Naturstein,
der hier verwendet wurde, hatte breite, tiefschwarze Umweltspuren.
Bei einem Test stellte ich fest, dass diese schmierigen Verfärbungen
bis mehrere Millimeter tief in den Stein gingen, wie von einem Schwamm
aufgesogen.
Dazu kamen 'Blüten' im Stein,
die etwa handflächengroße Stellen aus der Oberfläche
abgelöst hatten.
Eingedrungenes Wasser und Frost taten den Rest. Der Löwe
auf dem Ehrenmal war noch in sehr gutem Zustand, nur stark verschmutzt
und veralgt, der Stein allerdings lange nicht so weich wie der der
beiden Seitensteine. |
Was tun? Eine Restaurierung
war dringend angesagt. Gleichzeitig war jedoch schnell klar, dass
dies eine kostspielige Angelegenheit werden würde - und die
Kassen waren leer. Blieb die Möglichkeit der Selbsthilfe.
Ich habe mich dann zunächst mit einem Fachbetrieb in Hannover
in Verbindung gesetzt. Man bestätigte mir dort, dass es mit
einer einfachen Grundreinigung nicht getan ist. Die Umweltschäden
lassen sich selbst mit speziellen Maßnahmen zur Tiefenreinigung
nicht vollständig beseitigen. Solche kostspieligen Maßnahmen
würden auch nur noch bei sehr wertvollen Statuen angewendet.
Die Alternative, wie sie auch bei der Renovierung der Gebäude
am Hildesheimer Marktplatz angewandt wird, ist eine Ausbesserung
der beschädigten Oberfläche und anschliessend eine Bemalung
mit wetterfester Farbe, die im Ton an den natürlichen Stein
angeglichen ist. |
Ich machte dann dem Ortsrat
den Vorschlag, dass der SPD Ortsverein die Restaurierung selbst
durchführt. Die Materialkosten sollten durch die Parteikasse
getragen werden. Der Vorschlag wurde nach kurzer Beratung angenommen,
jedoch wollte die CDU die Hälfte der Kosten übernehmen
und die Reinigung der Umfriedung durchführen.  So begann ich dann im Juni 1997 zusammen mit
meinem Vize Karl-Heinz Hahn die Sanierung. Zuerst sollten nur die
beiden Seitensteine in Angiff genommen werden. |
Als allererstes wurde
dokumentiert. Alle Namen und Daten wurden entziffert und notiert.
Stellenweise mussten alteingesessene Levester konsultiert werden,
wenn ein Name nicht mehr eindeutig festgestellt werden konnte.

Die großen, geraden Flächen wurden nun mit einem Excenterschleifer
zweimal abgeschliffen, zuletzt mit einer sehr feinen Körnung.
Die Schriftvertiefungen wurden mit Hartholzstäbchen ausgekratzt.
Das Eichenlaub wurde mit verschiedenen Drahtbürsten vorsichtig
freigelegt. Es war so weich, dass man mit den Bürsten fast
modellieren konnte. Staub und Schmutz wurden mit einem Industriestaubsauger
aufgenommen.
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Danach begann der staubfreie
aber mühsame Teil der Arbeit: die Beschriftung. Ähnlich
dem Original wurde wieder eine dunkelrote, wetterfeste Farbe verwendet
und Buchstabe für Buchstabe neu ausgemalt. Auf den beiden Seitensteinen
waren dies immerhin über 2100 Buchstaben und Zahlen. Abend
für Abend wurde so gepinselt - eine Geduldsarbeit in einer
sehr unbequemen Körperhaltung. Die untersten Reihen mussten
im Liegen gemalt werden. Gott sei dank kamen immer wieder Levester
Bürger vorbei. Die hielten einen zwar von der Arbeit ab, aber
die Motivation war nötig (und besonders hoch, wenn mal ein
Fläschchen oder - wie geschehen - ein Dutzend Eier oder gar
ein Geldschein für ein Abendessen mit der vernachlässigten
Ehefrau vorbeigebracht wurden). |
Nachdem die Buchstaben-Malerei endlich fertig war,
wurden beide Steine nochmals abgebürstet und abgesaugt und
dann mit einer hochwertigen Steinversiegelung zweimal eingelassen.
So wurde die offenporige Oberfläche unempfindlicher gemacht
für die Angriffe aus Luft und Regen und weniger Nährboden
für Algen und Moos geboten. Die Steine wurden zwar dadurch
wieder dunkler (frisch geschliffen sahen sie aus wie neu), erschienen
aber dadurch auch wieder natürlicher.
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Der erste Abschnitt
war also geschafft. Ein paar Tage zögerte ich, ob ich
mich an den mittleren Stein wage. Der Zuspruch war jedoch groß
- und ich nahm den kitzligen Teil der Aufgabe in Angriff. Wieder
zuerst eine Dokumentation der Namen und Daten. Dann vorsichtig die losen Teile an den Steinblüten
entfernt und die so entstandenen Löcher zugespachtelt.
Mit einem simplen Schnitzbesteck wurden nun an den Reparaturstellen
die fehlenden Buchstabenteile wieder eingeschnitzt. Nach vollständiger
Aushärtung wurde dann die Namensplatte gestrichen. Aus teurer
Fassadenfarbe und normaler Tönungsfarbe wurde ein Farbton gemischt,
der dem Sandstein nahe kam und mit einer Kurzflorrolle aufgetragen.
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Dann folgte die Neubemalung der Namensvertiefungen.
Dies gestaltete sich wesentlich aufwendiger als bei den beiden Seitensteinen.
Dort waren es die Mengen an Buchstaben und Zahlen, hier war es die
verschnörkelte Schrift mit ihren spitz auslaufenden Serifen.
Aber auch das war irgendwann geschafft.
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Zuletzt wurden die Seitenteile
abgeschliffen, ähnlich wie an den beiden Seitensteinen. Die
Fugen zwischen den Steinen waren teilweise ausgewaschen und wurden
neu verfugt, um Frostschäden vorzubeugen.
Dann ging es an die abschliessende
Reinigung. Der Sockel des Mittelsteins und die gemauerte Umfriedung
wurden mit einem Hochdruckreiniger auf Vordermann gebracht. Gärtner
Bartels stellte dankenswerterweise das Wasser aus seinem Brunnen
zur Verfügung. Und - obwohl nicht geplant - auch
der Löwe wurde mit 160 bar gewaschen, er hatte es nötig.
Heinrich-Ernst Lüders, Konrad Schraube, mein Sohn Martin
und ich waren allerdings anschliessend ebenso reif für eine
Generalreinigung. |

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Rechtzeitig zur Kranzniederlegung
anlässlich der 75-Jahr-Feier des TV Jahn Leveste waren die
Arbeiten am Ehrenmal abgeschlossen. Rund 200 Arbeitsstunden und
DM 400.- Materialkosten wurden investiert. Es hat sich gelohnt.
Nicht nur für das Ehrenmal. Fast noch wichtiger als die Restaurierung
war die praktische Demonstration dessen, was ich immer so leichtfertig
fordere:
"Nicht reden,
machen!"
Fotos: pk |